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Zu den Arbeiten von Ulrike Böhme
Am Ende des 20.Jahrhunderts befindet sich neben vielen anderen auch das kulturelle
Feld in einem intensiven Wandlungsprozess. Neben einem Crossover der Formen
und Inhalte führt der ungezwungene Umgang mit den Medien und Arbeitsweisen
zu einer Annäherung der Gattungen. Besonders augenfällig sind die
Möglichkeiten, die sich daraus für eine neue Beziehung von Kunst
und Architektur ergeben können.
So beziehen sich die Werke der Künstlerin Ulrike Böhme eng auf ihren
jeweiligen Entstehungskontext und lassen sich nur in ihren Bezügen zum
räumlichen und inhaltlichen Umfeld erfahren und ganz erfassen. Das bedeutet
für die Arbeit der Künstlerin, ihr Arbeitsfeld stets neu zu definieren.
Am Beginn ihrer Kunst steht nicht die Wahl des Materials, nicht ein roher
Steinklotz oder eine leere Leinwand im Atelier. Sie hat sich vielmehr auf
eine besondere Form der künstlerischen Arbeit spezialisiert, bei der
die Reaktion auf Gegebenheiten und des Zusammenspiels mit anderen Beteiligten
im Zentrum stehen.
Auf Einladung integriert sie eine Arbeit in neu entstandenen Architekturen
oder beteiligt sich mit ihr an unterschiedlichen Stadien von Bauvorhaben.
Sie ist darin geübt, Räume, Situationen und Prozesse auf ihre Inhalte,
Möglichkeiten und vor allem auf ihre den Zeitabläufen unterworfenen
Wandlungen hin zu untersuchen und dann auf diese gezielt einzugehen. Eine
Arbeit Ulrike Böhmes zeichnet sich dadurch aus, dass sie auf die kontextuellen
Vorgaben so reagiert, dass Gegenwart und Zukunft darin gleichermaßen
ins Recht gesetzt werden.
Die dabei gewählten Inhalte und Formen leiten sich jedoch nicht aus dem
Vorgefundenen ab, sondern lassen eine immer deutlicher werdende eigenständige
Ausdrucksweise erkennen. So zeichnet sich die formale Umsetzung der Ideen
bei Ulrike Böhme durch eine sehr klare Struktur und eine fast puristische
Strenge des Aufbaus, durch eine jeweils stark reduzierte Formensprache und
Farbpalette aus.
Dass sich daraus dennoch poetische Bilder ergeben ist kein Widerspruch, sondern
liegt zum einen in der jeweiligen inhaltlichen Besetzung der gewählten
Felder, zum anderen aber auch in der Grundstimmung begründet, in der
fast immer das Phänomen der Transparenz einen wichtigen Anteil hat.
So sind Fenster, Nischen, Mauerdurchbrüche, Bildschirme, die erst auf
den zweiten Blick, erst nach Zuwendung ihre Geheimnisse, Durchblicke, Einblicke
und Bilder freigeben oder Milchglas, Spiegelflächen, illuminierte Bauteile,
die erst bei genauer Betrachtung Informationen, Texte und Zeichen erkennen
lassen. Der dem Spiel mit der Transparenz innenwohnende Prozess der Verweigerung
und der Freigabe des Blicks, wird zu einem wichtigen Teil der Arbeit. Die
sukzessive Annäherung räumt der emotionalen Wunschprojektion der
Betrachtenden einen fast größeren Anteil ein, als den letztlich
vorgestellten Inhalten.
Damit wird auch in der Wirkungsweise der einzelnen Arbeiten deutlich, dass
bei Ulrike Böhme nicht die reine Freiheit der künstlerischen Setzung
das Ziel ist, sondern die Synthese der Beziehungen zwischen architektonischen
Elementen, freien Formen, technischen Abläufen und der in Funktion, Ort
und Nutzer gegebenen, kulturellen und sozialen Inhalte und Wünsche.