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Zu den Arbeiten von Ulrike Böhme
Unter den verschiedenen derzeitigen Kunstströmungen hat sich der Kontextualismus
als eine Richtung erwiesen, die zum einen gegen die temporären Moden
immun, zum anderen - als eine Basisposition - zu vielseitigen Verbindungen
sich als fähig und offen erwiesen hat. Sich im Kontext zu orientieren,
eröffnet einen Arbeitsraum mit vielen Dimensionen.
Die Besonderheit der kontextuellen Arbeit von Ulrike Böhme ist, über
die Aufnahme der architektonisch-räumlichen Umgebung hinauszugehen -
eine Grenze, die insbesondere die abstrakte plastische Kunst am Bau selten
überschritten hat - und Funktionen, Inhalte, (Arbeits-)prozesse, individuelle
Wahrnehmungen beteiligter Personen, gleichsam die semantische Ladung der Situation
zum Anlass von Reaktion zu nehmen.
Folgerichtig steht am Anfang eines jeden Projektes eine gezielte Recherche,
über die sie die Besonderheiten der Situation und der involvierten Akteure
aufspürt, um sodann in einem konzeptionellen Akt der Selektion und Interpretation
die Weiche für die Art ihrer Reaktion und die Richtung ihrer Intervention
zu stellen. Dann erst beginnt die Arbeit an den physischen und den sozialen
Aktionen.
Die installierten Objekte zeigen ein Repertoire, das mit der Schichtigkeit
von Glas, teils mit elektrisch gesteuertem Wechsel von transparent zu opak
arbeitet, dadurch Blicke auf Bilder freigibt und wieder entzieht; oder mit
der Überlagerung von teils bewegten Bildern, gesprochenem oder geschriebenem
Text spielt, der Widerung durch die Nutzung sprachfremder Zeichen aus dem
Zusammenhang der jeweiligen Situation nur assoziativ erahnbare Bedeutung freigibt.
Auf diese Weise schafft sie eine Balance der Ungewißheit, aus der heraus
sie jedoch dem Rezipienten eine überraschend neue Sicht aus dem Kontext
eröffnet, den sie vorgefunden hatte. Ulrike Böhme bedient sich dabei
aber einer klaren Formbehandlung, so dass im Wechselspiel mit den raffiniert
ausgelösten Assoziationsschüben Situationen von großer poetischer
Präzision entstehen.
Einige Projekte verwickeln Personen des Kontextes in ihre Eingriffe, sei es
durch deren Beiträge von Bildern und Worten, sei es durch ihre Anwesenheit
bei ausgewählten Ereignissen, in denen sie jedoch nicht unbeteiligte
Zuschauer sind, sondern zu aktiven Mitgestaltern inszenierter Akte werden.
Ulrike Böhme hat sich, wie einige andere Künstlerinnen und Künstler,
in eine jener Zwischenzonen zwischen den klassischen Kunst-Territorien begeben,
deren Beschreitung - wie auch in den Wissenschaften - innovationsträchtiger
ist als der Verbleib in den alten Grenzen. Bei der Erkundung des Gebietes
zwischen Bildender Kunst, Architektur, Freiraumgestaltung hat sie eine Position
bezogen, die in der Ausweitung der Interpretation von Kontext auf seine semantischen
und sozialen Komponenten und - das ist eine der Besonderheiten - der Umsetzung
in artifiziell inszenierte soziale Rituale eine besondere und einmalige Ausprägung
erhält.